Dialekt ist ein Geschenk – und Übung für den Kopf

Dialekt und Gehirn – was die neue Marburger Studie zeigt
Unsere Sprachheimat e. V. setzt sich nun schon seit über 3 Jahren gemeinsam dafür ein, Dialekte nicht nur als kulturelles Erbe, sondern auch als wertvolle sprachliche Kompetenz wahrzunehmen. Jetzt sorgen die Ergebnisse der aktuellen Studie der Philipps-Universität Marburg gerade für große Aufmerksamkeit: Dialektsprechen trainiere das Gehirn ähnlich gut wie Zweisprachigkeit.
Die alte Abwertung regionaler Sprache bekommt nun also endgültig wissenschaftlichen Gegenwind.
Neu an der Marburger Studie ist vor allem die wissenschaftliche Methode
Die Marburger Forschenden konnten nun mithilfe hochauflösender MRT-Aufnahmen nachweisen, dass der Erwerb eines Dialekts neben der Standardsprache zu ähnlichen Veränderungen im Gehirn führt wie das Aufwachsen mit zwei Sprachen. Erstmals konnten diese Zusammenhänge also durch moderne bildgebende Verfahren direkt in der Struktur des Gehirns nachgewiesen werden. Die Studie bestätigt damit auf neurowissenschaftlicher Ebene vieles von dem, wofür sich Mundartvereine seit Jahren einsetzen.
Passend dazu hat „Unsere Sprachheimat e. V.“ kürzlich einen neuen Flyer für Eltern unter dem Motto „Dialekt ist ein Geschenk“ veröffentlicht. Darin wird zusammengefasst, welche positiven Auswirkungen Dialekte auf die sprachliche Entwicklung, die Kreativität und das Lernen weiterer Sprachen haben können. Zudem hebt der Flyer hervor, dass Dialekt Identität stiftet, Nähe schafft und Menschen über Generationen hinweg verbindet.
Für uns ist Dialekt deshalb weit mehr als eine liebenswerte regionale Besonderheit. Er stärkt das Selbstbewusstsein, bewahrt kulturelle Vielfalt und ist zugleich eine wertvolle Ressource für die Zukunft. Die Marburger Studie liefert nun einen weiteren wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Dialektsprechen nicht nur Tradition bewahrt, sondern auch das Gehirn trainiert.
Quellen: Philipps-Universität Marburg: „Dialekt trainiert Gehirn so gut wie Zweisprachigkeit“, Juli 2026; Scharinger u. a., Scientific Reports, 2026; Peter Auer: Arbeiten zu sprachlicher Variation; Raphael Berthele: Forschungen zu Dialektkompetenz und Fremdsprachenerwerb.
» Flyer „Dialekt ist ein Geschenk“ zum Herunterladen – (Pdf)
