Mundartschach in Wiesloch-Baiertal: Wenn der Springer plötzlich „hopft“

… Ungewöhnliches in Sachen Mundart

Mid Liebe Klödzle schiebe …

Schach verbindet Generationen – und Mundart ebenso. Das zeigte die Veranstaltung „Mundartschach in Wiesloch-Baiertal“, die am Freitag, 12. Juni 2026, im großen Saal des Bürgerhauses Baiertal stattfand. Geleitet wurde der Abend von Martin Kleinert, Vorsitzender des Schachclubs 1926 Wiesloch/Schachfreunde Baiertal e.V. und Vorstandsmitglied von Unsere Sprachheimat e.V.

Unter dem Motto „Das königliche Spiel – auf Dialekt!“ kamen Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammen, um Schach einmal aus einer ganz besonderen Perspektive kennenzulernen.Nach einer Begrüßung durch Veronica Kerber, stimmte Martin Kleinert die Teilnehmenden zunächst mit einem augenzwinkernden Blick auf die Kurpfalz und ihre Menschen ein. Der typische Kurpfälzer, so hieß es in seiner Einführung, zeichne sich durch „Bodenständigkeit, Lebensfreude und eine große Portion Gemütlichkeit“ aus.

Dazu gehörten natürlich auch „das Babbeln“, die Freude am kulinarischen Genuss und der unverkennbare Dialekt. Auch die gut gekühlte Rieslingschorle, Grumbeersupp, Quetschekuche und Dampfnudel durften bei dieser kleinen kulturellen Verortung nicht fehlen. Besonders passend für den Abend war der Hinweis auf den kurpfälzischen Humor: Die Kurpfälzer gelten als humorvoll, gelassen und selten pessimistisch – beste Voraussetzungen also für einen entspannten Schachabend.

„Vom Springer zum Hopfer“

Anschließend erklärte Martin Kleinert die Grundzüge des Spiels wobei natürlich die regionalen Bezeichnungen nicht fehlen durften: Der Springer heißt hier Hopfer, der König Keenisch und die Dame Tante. Die anwesenden Kinder konnten ihr bereits vorhandenes Fachwissen einbringen und zeigten schnell, dass sie sich auf dem Schachbrett schon gut auskennen. Diese Mischung aus Spiel, Sprache und Begegnung sorgte für eine lockere und heitere Atmosphäre.

Die Veranstaltung richtete sich ausdrücklich an Anfängerinnen und Anfänger ebenso wie an Fortgeschrittene. Auch Familien nutzten die Gelegenheit, gemeinsam an den Brettern Platz zu nehmen. Besonders schön war zu beobachten, mit welchem Interesse gerade die Kinder bei der Sache waren.

Babble statt Schweige 

So entwickelte sich der Abend schnell zu einem echten Mehrgenerationenabend. Für viele war es reizvoll, Schach nicht als stilles Strategiespiel zu erleben, sondern als Anlass zum Austausch: über Züge, Begriffe und regionale Redewendungen. So kannten beispiesweise einige Baiertaler die dort verortete Bezeichnung Klödzle-Schieber selbst noch nicht.

Besonders erfreulich war, dass das Angebot auch Menschen ansprach, die sonst vielleicht weniger Zugang zum Dialekt haben. Mundart wurde hier nicht als Hürde verstanden, sondern als Einladung: zum Zuhören, Nachfragen und Mitmachen.

Mit ungewohntem Format Dialekte lebendig halten 

Organisiert wurde die Veranstaltung in Kooperation mit dem Schachclub 1926 Wiesloch/Schachfreunde Baiertal e. V. Unterstützt wurde Martin Kleinert unter anderem von seinem stellvertreten Vorsitzenden Andreas Rein, Deutscher Meister im Problemschach.

„Wir wollen zeigen, dass Dialekt lebendig bleibt, wenn er im Alltag, in Begegnungen und auch in ungewohnten Formaten verwendet wird“, sagt Veronica Kerber, Schachliebhaberin und Co-Vorsitzende von Unsere Sprachheimat e.V. Mundartschach erwies sich dabei als gelungene Verbindung von Kultur, Spiel und Sprachvermittlung.

Am Ende waren sich alle Teilnehmende einig: von diesem Nachmittag konnte man sich richtig viel mitnehmen – Wissen über das Schachspiel ebenso wie Einblicke in die Kurpfälzer Mundart und Lebensart. Das königliche Spiel funktioniert auch auf Dialekt – vielleicht sogar besonders charmant.

Weitere Bildimpressionen der Veranstaltung:

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