Kochen auf Kurpfälzisch
„Unsere Sprachheimat“ organisierte einen genussreichen Nachmittag in Woinem
Weinheim. Wenn „Kartoffelponnekuche mit weißm Käs un Äbbelbrei“ auf dem offiziellen Menüplan stehen, „falsche Markkläiss“ in die Gemüsesuppe kommen und dort ein halber „Zellrisch“ (Sellerie) versteckt wird, dann ist klar – hier wird auf Kurpälzisch gekocht. Der Dialekt bestimmt den Speiseplan wie die Rezepte. Awwer komplett. Und selbstverständlich sollten die Teilnehmer, „redde wie ihne de Schnawwel gwachse is“. So geschehen bei einem etwas anderen kulinarischen Nachmittag in Woinem.
„Unsere Sprachheimat. Schwätze, redde, babble e.V.“ hatte zum „Koche uf Kurpälzisch“ aufgerufen. Der Mundart- und Kulturverein wollte damit das Bewusstsein für den Dialekt in allen Lebensbereichen stärken. Und 16 Teilnehmer meldeten sich, um, unterstützt von der Volkshochschule Badische Bergstraße, das Projekt in einer passenden Küche umzusetzen.
Da wurde über zwei Stunden lang gemeinsam an vier Küchenzeilen geschnibbelt, gerührt, gekocht und gebacken – jeweils mit der passenden regionalen Bezeichnung sowie Mundart natürlich untereinander. Ein Sprachtest vorab wurde nicht verlangt, so waren auch Reigschmeckte oder Sprecher von badischen Nachbarmundarten dabei. Sie konnten noch was lernen aus der liebevoll verfassten Rezeptsammlung.

Damit auch etwas „Gescheites“ herauskommt, wenn vier Gruppen gemeinsam ein dreigängiges Menü sowie vier Häppchen für Zwischendurch zubereiten sollten, war ein richtiger Koch mit Herz und Mundart dabei: Dirk Embach. Ihn hatte Organisatorin Heidi Ströbel, Vorstandsmitglied der „Sprachheimt“ aus Hemsbach, für das Projekt gewonnen. Denn ein Profi beantwortete die Frage „Was könnt mer mache“ am besten. Es mussten Gerichte sein, die nicht zu kompliziert waren, aber doch so umfangreich, dass jeweils vier Leute vorbereiten konnten. Also sollten auf die gut bestückte Gemüsesuppe die aufwendigen Krautwickel mit Salzkartoffel in feiner Soße folgen und Apfelküchle in Vanillesoße den Abschluss bilden.

Dirk Embach betreute geduldig jede Gruppe. Er erklärte, wie man Krautwickel so in die Pfanne legt, dass kein Zahnstocher als Halt nötig ist oder die Blätterteigtaschen mit Griebenwurst im Backofen gelingen.
Wein aus Schriesheim gab es als Doping für die Kochenden schon zwischendurch. Und natürlich später am fein gedeckten Tisch im Nebenraum. Unter munteren Gesprächen wurde Mundart und Menü genossen. Alle Gerichte hauten tatsächlich hin und mundeten, die Teilnehmer freuten sich zudem über die lockere Atmosphäre. Am Ende überreichte der Co-Vorsitzende der „Sprachheimat“, Thomas Liebscher, ein Geschenk an Dirk Embach und ermunterte alle, weiter den Dialekt als Kulturform zu pflegen.
Der Verein selbst hatte zuletzt zur Stärkung des Dialekts bei allen Gelegenheiten durch Martin Kleinert in Wiesloch einen Schachkurs in Mundart organisiert.
Das gelungene Weinheimer Koch-Erlebnis war möglich durch die akribische Vorbereitung und unermüdliche Organisation von Heidi Ströbel. Unser Mitglied Heiner Bernhard aus Woinem unterstützte, so dass wir die Küche der Volkshochschule Badische Bergstraße nutzen konnten.


