Landespreis für Dialekt Baden-Württemberg verliehen

Ministerpräsident Cem Özdemir zeichnet Preisträgerinnen und Preisträger aus sechs Kategorien aus

Do isch einem schu bim Niigehe s´Herz ufgonge: Die Erwin-Braun-Halle in Oberkirch präsentierte sich am Samstag, 10. Oktober, in einem wunderschönen herbstlichen Gewand. Mit viel Liebe zum Detail war der Saal festlich geschmückt worden und bot einen stimmungsvollen Rahmen für die Verleihung des Landespreises für Dialekt Baden-Württemberg.

Ein besonderer Dank gilt dem Geschäftsführer des DDDBW Dr. Rudolph Bühler, sowie Frau Schindler vom Heimattage-Team und ihren Mitarbeitenden, die mit großem Engagement für das Gelingen des Abends „gschafft hen wie Brunnebutzer“. Auch die Haustechniker trugen mit ihrem Einsatz zum reibungslosen Ablauf bei. Lio (@lioversum) hielt den festlichen Nachmittag mit der Kamera fest.

Hochprozentiges und klare Worte für den Dialekt

Der Vorsitzende des Dachverbands, Landrat Dr. Martin Kistler, übernahm die ehrenvolle Aufgabe, den Ministerpräsidenten Cem Özdemir persönlich zu empfangen und unter wertschätzendem Applaus zu seinem Platz zu begleiten.

Für einen heiteren Moment sorgte kurz darauf eine typische Oberkircher Spezialität: Eine Bedienung brachte ein Tablett mit Schnapsgläsle und eine Flasche heimischen Obstbrands direkt an den Tisch des Ministerpräsidenten.
Cem Özdemir zeigte, dass er die geselligen Seiten seines Amtes mit Humor nimmt und zitierte augenzwinkernd den Spruch „Ich habe meine Leber der Demokratie geopfert“.

„Mir wared au do ...“

In seinem Grußwort betonte der Landrat Dr. Kistler: „Dialekte sind Teil der sprachlichen Vielfalt unseres Landes. Als Dachverband wollen wir das Selbstbewusstsein der Dialektsprechenden stärken und die Bedeutung der Mundart hervorheben.“ Dabei fand er auch deutliche Worte: „In einer weltoffenen Gesellschaft“ sei nicht der Dialekt provinziell, sondern die Gleichmacherei und Normierung. Dialektsprechende seien mehrsprachig – ein Vorteil, den es zu erkennen und zu nutzen gelte.

Charmant und mit viel Natürlichkeit führte Stefan Unser aus Malsch durch die Preisverleihung. Der Moderator, Mitglied im Verein Unsere Sprachheimat, verstand es, dem festlichen Anlass einen ebenso herzlichen wie ungezwungenen Rahmen zu verleihen. Mit seiner sympathischen Art begleitete er die Gäste kurzweilig durch das Programm.

Der Ministerpräsident spricht ...

Ministerpräsident Cem Özdemir überreichte die Auszeichnungen persönlich und würdigte die Bedeutung der regionalen Mundarten:
„Dialekt ist für mich das Beispiel dafür, wie bereichernd und lebendig unsere regionalen Traditionen sind.“
In all ihren Facetten machten die Dialekte gemeinsam aus, was Baden-Württemberg für uns alle sei: Heimat.

Aus rund 250 Bewerbungen aus allen Landesteilen hatte eine zwölfköpfige Jury die Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 60.000 Euro in sechs Kategorien vergeben. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst stellt die Mittel bereit, die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg unterstützt den Preis, insbesondere die Kategorie Neue Medien.

Eine Kurpfälzerin unter den Preisträgerinnen

Besonders freuen wir uns bei Unsere Sprachheimat e.V. über die Auszeichnung der jetzt in Kappelrodeck ansässigen, gebürtigen Mannheimerin Jane Wels. Mit ihrer originellen „Slang-Poetry“ erhielt sie den zweiten Preis in der Kategorie Literatur. Die Kurpfälzerin hat bereits auf sich aufmerksam gemacht, unter anderem mit ihren hochdeutschen Lyrikbänden „Schwankende Lupinen“ (2024) und „Das Es reiten“ (2025).

Aus dem fränkischen Sprachraum waren insgesamt 27 Bewerbungen eingegangen, darunter 13 von Mitgliedern unseres Vereins. Eine Auszeichnung ging diesmal leider nicht in unsere Region. Doch an sprachlichem Talent und kreativen Ideen mangelt es hier ganz sicher nicht! Deshalb hoffen wir, dass sich bei der nächsten Ausschreibung noch mehr Menschen aus fränkischen Sprachraum angesprochen fühlen und zeigen, wie viel in ihrer Sprachheimat steckt.

Ein Fest für die Dialekte – und ein Abend voller Herzlichkeit in Oberkirch

Wie sehr die Mundart Menschen verbindet, zeigte sich nicht nur auf der Bühne. Auch beim anschließenden Empfang herrschte eine ausgesprochen herzliche und entspannte Atmosphäre. Preisträgerinnen und Preisträger sowie Gäste waren gleichermaßen eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und den festlichen Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Gerade dieses ungezwungene Miteinander machte den besonderen Charme der Veranstaltung aus. So blieb am Ende nicht nur die Erinnerung an eine gelungene Preisverleihung, sondern auch an viele schöne Begegnungen und die gemeinsame Begeisterung für unsere Dialekte.

Wer einige der ausgezeichneten Beiträge live erleben möchte, hat dazu schon bald Gelegenheit

Unter dem Titel „Beschd of Daheim“ präsentiert der Dachverband der Dialekte in Zusammenarbeit mit der Stadt Oberkirch am Samstag, den 17. Oktober um 10 Uhr eine Matinee in der Mediathek in Oberkirch. Mit dabei sind Berthold Kracke (Landespreisträger 2024), Claudia Scherer, Klaus Dieter Reichert, Markus Manfred Jung, Matthias Flad und Mona Maria Weiblen mit den Traufgängerinnen. Der Eintritt ist frei.

Eine Übersicht über alle Preisträgerinnen und Preisträger 2026 findet sich auf der Homepage des Dachverbands der Dialekte unter https://www.dachverband-dialekte.de/landespreis_2026/ .

Veronica Kerber

 

Impressionen der Verleihung:
(Bilder: Lio Matz) 

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