Heiße Tage des Dialekts in Oberkirch

Mir uff de Dialecta_26

Ein Fest der mundartlichen Vielfalt

Eingebettet in das brütend heiße Wochenende vom 26. – 28. Juni 2025, fand die Mundartmesse DIALECTA in Oberkirch statt. 

Während draußen also die Hitze alles fest in ihrem Griff hatte, ging es im stets mit Besucher:innen gut gefüllten Forum am Hans-Furler-Gymnasium, zum Glück, etwas wohltemperierter zu.

Zwei Tage lang herrschte durchgehend reger Austausch.
Schon am Freitag standen Mitglieder der Sprachheimat auf der Musikbühne

Neugierig streiften die Besucher umher, stöberten mit erstaunten Blicken im Angebot der verschiedenen Aussteller, amüsierten sich zum Beispiel an diversem Mundartwörter-Raten und manch anderem Überraschenden aus der Welt des lebendigen Dialekts. Bereits am Freitagabend lockten drei musikalische Auftritte viel Publikum an. Schon dabei war die Sprachheimat kräftig vertreten: Mit Christoph Merkel, der als Liedermacher und Gitarrenvirtuose wie immer überzeugte. Und dann mit Café Achteck, die in großer Besetzung die Halle zum Kochen brachten.

 

 


Literarisch- musikalische Vielfalt der Sprachheimat


Beim Bühnenprogramm am Samstag waren zahlreiche Mitglieder der Sprachheimat vertreten und zeigten eindrucksvoll die Vielfalt der Dialekte.

Den Auftakt machte Thomas Liebscher.
Er entfaltete ein heiter, besinnliches Kaleidoskop mit Beiträgen aus über 30 Jahren literarischen Schaffens. Spannte den Bogen von pointierten Aphorismen („Uffschnapsel“) bis hin zu tiefgründiger Gesellschaftskritik – etwa wenn die Enkel es vor Weihnachten nicht mehr zur Oma schaffen.

Trotz der durch äußere Umstände bedingten Programmänderung lautet die Devise von Bernd Siemers „Nor ned huddle“.
Der Karlsruher nahm das Publikum  mit auf eine Reise durch Alltagsbeobachtungen und hier u. a. auch zu Missgeschicken beim morgendlichen Aufstehen und widerlegte dabei augenzwinkernd das Sprichwort „Der  frühe Vogel, fängt den Wurm“

Im Anschluss lud Michael Köhler aus Ettlingen zu philosophisch-poetischen Spaziergängen ein. 
Ein in lyrisch formuliertes Gewitter mit einem sommerlicher Regenguss sorgte zumindest in Gedanken für etwas Abkühlung an diesem heißen Messetag. In seinen Beiträgen stellte er unter anderem die Frage, was eigentlich besser sei: Dohogge oder doch Laafe?
Veronica Kerber entführte die Zuhörer:innen in ihre Jugendzeit. In Ihrem neuen Gedichtband zartwild, basierend auf alten Tagebucheinträgen, ließ sie das Oberkirch der 1990er-Jahre wieder aufleben – vom charmanten Pianisten, den ihre Freundin umgarnte, bis zum Ackerfescht mit Lagerfeuer.
Mit Wendelinus Wurth wurde es nachdenklich und poetisch. Er las aus seinem Buch Sinneswandre und stellte seine Haibuns vor – an die japanische Literatur angelehnte Reiseerzählungen, die von kurzen Haikus begleitet, kommentiert oder ergänzt werden.
Musikalisch übernahm danach Berthold Kracke alias Buddy Hills. Mit Gitarre präsentierte er sein Programm „Badisch g’sunge“. Als bekennendes „Kind der Rheinebene“ verband der Musiker Rock- und Bluesklänge mit badischer Mundart und begeisterte das Publikum mit seiner authentischen Bühnenpräsenz.

Pfarrer Theodor Leonhard aus Pforzheim gewährte heitere Einblicke in seinen Berufsalltag. Aus seinen langjährigen Erfahrungen als Pfarrer entwickelte er launige Geschichten, die für viele Lacher sorgten.
Kindheitserinnerungen standen bei Charly Weibel im Mittelpunkt. Der kurpfälzische Liedermacher aus Reilingen wechselte gekonnt zwischen nachdenklichen und vergnüglichen Tönen, sang unter anderem sein Lied über Aufschnitt und animierte das Publikum beim Refrain von „e vertel Pund“ begeistert zum Mitsingen.
Angela Weber: Sie erzählte unter anderem das Märchen vom Pechvogel und verlegte ihre ganz eigene Variante des Rumpelstilzchens mit dem „Wassermännle“ an die Alb. Mit ihrer lebendigen Erzählweise zog sie die Zuhörerinnen und Zuhörer in den Bann.
Den Abschluss der Sprachheimat-Mitglieder auf der Bühne bildete Stefan Unser. Der aus Malsch stammende Poetry Slam Landesmeister 2016 setzte mit seinem Poetry-Slam-Kabarett weitere moderne Akzente und begeisterte mit seinem freien Vortrag das Publikum.

Mundart zum Mitmachen für die ganze Familie

Gerade auch die jüngsten Besucherinnen und Besucher kamen beim präsentierten Angebot der Dialecta 
auf ihre Kosten, was die Leiterin einer Kindertagesstätte mit einem erfreuten Staunen kommentiert.
Konnte man doch beim Kinderprogramm „Babbelbobbel LIVE“ badische Dialekte an zahlreichen Mitmach- und Bastelstationen spielerisch entdecken.

Dort erwarteten die kleinen Besucher unter anderem ein Mundart-Elfchen-Gewinnspiel, Zungenbrecher, Mundart-Märchen-Malbilder, eine badische Schimpfmaschine, ein Mundart-Faltspiel, das Kartenspiel „Was isch des?“ sowie Bastelaktionen rund um Schwarzwaldtiere wie Wildsau, Muus und Hasemobberle.
Ergänzt wurde das Angebot durch Kinderbücher und Mundartgedichte. 
So wurde hier auch das neue Büchlein Versvergnügt mit Mundartgedichten präsentiert. 

Darüber hinaus gab es Kamishibai-Erzählungen, Märchen in alemannischer und schwäbischer Mundart, ein Mitmach-Kinderkonzert sowie den Besuch von Äffle & Pferdle.
So entstand ein abwechslungsreiches Familienprogramm, bei dem Kinder Mundart nicht nur hören, sondern selbst ausprobieren, gestalten und mit viel Freude erleben konnten.

Ein besonderer Dank galt den Unterstützerinnen und Unterstützern des Kinderprogramms „Babbelbobbel LIVE“. Die Firma UHU stellte Klebstoffe für die Bastelaktionen zur Verfügung, der Zoo Karlsruhe bereicherte das Elfchen-Gewinnspiel mit Kuscheleisbären, und auch private Spenden trugen dazu bei, ein vielseitiges und liebevoll gestaltetes Angebot zu ermöglichen. Darüber hinaus unterstützten die LBBW-Stiftung sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg das Kinderprogramm. Durch diese breite Förderung konnten junge Besucherinnen und Besucher Mundart spielerisch, kreativ und mit viel Freude erleben.

Auch am Sonntag wirkten unsere Mitglieder mit

Am Sonntag kamen weitere Auftritte unserer Mitglieder hinzu. Roland Scherer brachte das Tauberfränkische in Erinnerung, Serge Rieger ist der Garant für gute Unterhaltung mit elsässische Liedle und Anton und Ursula Ottmann sind ein routiniertes Bühnenpaar für das Kurpfälzische.
Nicht zu vergessen sind Verlagsstände, die ebenfalls von unseren Mitgliedern betreut wurden. Reiner Schmidt war mit seinem Verlag regionalkultur vertreten und Wendelinus Wurth mit den Produkten seines Drey Verlags. Und man half sich gegenseitig, wenn die Standbetreiber sich selbst einmal umschauten oder eine Pause nötig hatten.
Zum Gelingen der Messe trugen also enorm viele Mitglieder der Sprachheimat bei.
Vielen Dank denjenigen, die das Bühnenprogramm mit ihren Beiträgen bereicherten, engagiert mitarbeiteten oder den Messestand betreuten, wie Diana und Roland Leibersperger, Isolde Schneider, Margrit Schön, Rainer Iben oder wie Johannes Köhler, der an diesem Bericht mitwirkte. Außerdem waren Siegfried Trinkle und seine Frau Beate durchgehend mit unterstützend dabei.
Und unsere Stofftaschen mit einem Dialektspruch erwiesen sich als hervorragende Investition. Ständig wurden welche verkauft. Auch einige Bücher wechselten den Besitzer und unsere Postkarten wurden eifrig mitgenommen.

Ein erfreuliches Resümee

Nun ist sie also vorüber, die Dialecta_26. Aus der ersten Idee ist am Ende eine erfolgreiche Veranstaltung geworden, bei er sich die Baden-Württembergischen und die elsässischen Mundarten in ihren ganzen Vielfalt präsentieren konnten.
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, mit den Ausstellenden ins Gespräch zu kommen, unterschiedliche Dialekte zu hören und neue Initiativen kennenzulernen. Die DIALECTA wurde damit zu einem lebendigen Ort der Begegnung — zwischen Generationen, Regionen und Sprachräumen.

Mit der ersten baden-württembergischen Mundartmesse ist in Oberkirch ein starkes Zeichen für die Dialektlandschaft im Südwesten gesetzt worden.

Johannes Köhler u. a. 

Bund zammegwierfelde Bildimpressionen von der Dialecta_26:

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