„Ne freudig Stündli, isch’s nit e Fündli?“

Hommage an Johann Peter Hebel

Hebels Werk bleibt lebendig

Eine volle Stube im Haus Conrath in Langensteinbach, gespannte Aufmerksamkeit und immer wieder ein zustimmendes Schmunzeln: Die Hebel-Hommage war nicht nur ausgebucht, sondern auch ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie lebendig Johann Peter Hebels Werk bis heute ist.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Mundart-Verein „Unsere Sprachheimat e.V.“ statt  und stand ganz im Zeichen des 200. Todestages des Dichters.

Mehr nahbarer Mensch denn fernes Denkmal

Christian Sauermann gelang es, Leben und Wirken des Dichters in einen anschaulichen historischen Kontext einzuordnen. Mit klarer Struktur und feinem Gespür für die Zeitumstände zeichnete er das Bild eines Autors, der tief in seiner Epoche verwurzelt war und zugleich weit darüber hinausweist. Hebel erschien dabei nicht als fernes Denkmal, sondern als nahbarer Mensch – geprägt von Bescheidenheit, Bildung und einem wachen Blick für die Welt. Johann Peter Hebel (1760–1826), geboren in Basel und aufgewachsen in Hausen im Wiesental, wirkte als Theologe, Pädagoge und später als Prälat der badischen Landeskirche. Über viele Jahre war er in Karlsruhe tätig, unter anderem als Lehrer und Direktor des Gymnasiums. Mit seinen „Alemannischen Gedichten“ und den berühmten Kalendergeschichten des „Rheinländischen Hausfreunds“ wurde er zu einer der prägenden Stimmen der deutschsprachigen Literatur seiner Zeit.

Alemannische Mundart  und Kalendergeschichten

Als Gast war Veronica Kerber geladen. Sie trug ausgewählte Gedichte in alemannischer Mundart vor, die sich eng am Lebensweg Hebels orientierten. Mit „Freude in Ehren“ wurde der Abend eröffnet, mit dem „Wegweiser“ geschlossen. „Kann man den Kindern den Kreislauf des Lebens anschaulicher und schöner erklären?“ schwärmte Sauermann über das Gedicht „Liedlein vom Kirschbaum“. Unter den Gästen war auch der Langensteinbacher Dorfschütz Norbert Ried, dem zu Ehren Veronica Kerber Hebels „Wächterruf“ vortrug.

Zudem wurden von Sauermann und Kerber ausgewählte Kalendergeschichten gelesen, darunter bekannte Erzählungen wie „Kannitverstan“ und „Unverhofftes Wiedersehen“. Gerade hier zeigte sich Hebels besondere Kunst: mit einfacher Sprache tiefe Einsichten zu vermitteln – humorvoll, menschlich und zeitlos. 

Lesungen kulinarisch liebvoll ergänzt 

In der Pause wurden liebevoll zubereitete „badische Tapas“ gereicht. In entspannter Atmosphäre wurde diskutiert, gelacht und weitergedacht – ganz im Sinne Hebels, dessen Werke stets auch das Gespräch zwischen den Menschen suchen.

Der Abend im Haus Conrath war weit mehr als eine Rückschau. Er machte deutlich, dass Hebels Themen – Heimat, Lebensklugheit und Menschlichkeit – nichts an Aktualität verloren haben. Ein „freudig Stündli“, das für viele ein kleines „Fündli“ war. 

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