Mundart-literarisch in der Kirche
Unsere Sprachheimat war mit sieben Autorinnen und Autoren sowie Texten in jeweils genau 100 Wörter in Dillweißenstein zu Gast
Ein außergewöhnlicher literarischer Abend fand am 13. März 2026 in der Heilig-Geist-Kirche in Pforzheim-Dillweißenstein statt. Unter dem Titel „100 Wörter in siwwe Welte“ hatte der Verein Unsere Sprachheimat e.V. gemeinsam mit der evangelischen Kirche Pforzheim zu einer besonderen Mundartlesung eingeladen. Das Konzept des Abends war ebenso schlicht wie anspruchsvoll: Alle Texte mussten exakt 100 Wörter lang sein. Diese literarische Miniaturform wird „Drabble“ genannt – kurze Geschichten, die pointiert erzählen und mit überraschenden Wendungen arbeiten.
Eine besondere Atmosphäre entstand durch den Veranstaltungsort selbst. Die kleine Kirche, die mit bequemen Sesseln statt Bänken auch zu einem feinen Veranstaltungsraum wird, verlieh der Lesung eine warme und zugleich eindrucksvolle Stimmung. Musikalisch begleitet wurde der Abend am Klavier von Oliver Bauer, der zwischen den Leseblöcken für mit sanften jazzigen Tönen für ruhige und stimmungsvolle Übergänge sorgte.
Sieben Autorinnen und Autoren nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch ihre ganz eigenen sprachlichen Welten: Veronica Kerber, mit alemannischem Dialekt, nahm Erinnerungen an ihre Jugendzeit zum Anlass für pointierte Begegnungen, beispielsweise bei der Begleitung einer Freundin zu einem Date. Martin Kleinert berichtete auf kurpfälzischen von lebhaften Träumen und Hoffnungen. Michael Köhler beschrieb im südfränkischen Dialekt poetisch und manchmal mit Reim wertvolle Augenblicke, die leicht vergessen werden. Theodor Leonhard nutzte 100 Worte auch für ernste Themen, etwa bei Gedanken an einen todkranken Freund, der nun gehen dar. Thomas Liebscher steuerte kleine südfränkische Balladen mit Reim und Wortspiel sowie einem Krimi bei. Kurt Seilheimer holte kurpfälzisch-südhessisch aus Alltagserleben Feinheiten heraus oder berichtete von Verwirrungen am Strand. Wendelinus Wurth schließlich begleitete alemannisch die Geräusche einer Säge oder umkreiste durchaus politisch das Wortfeld Muul (Mund.) Gerade die Vielfalt der Dialekte und Themen machte den besonderen Reiz des Abends aus. Das fanden auch die Besucher.
Organisatorisch war der Abend hervorragend vorbereitet: Von der Technik bis zur Gestaltung des Raumes war alles sorgfältig abgestimmt, sodass sich Publikum und Mitwirkende ganz auf Literatur und Musik konzentrieren konnten.
Nach dem offiziellen Programm klang der Abend in lockerer Atmosphäre aus. Viele Besucherinnen und Besucher blieben noch, kamen miteinander ins Gespräch und tauschten sich über Texte, Dialekte und eigene Ideen aus. Mancher nahm sich dabei sogar vor, selbst einmal ein Drabble zu schreiben. Der Verein Unsere Sprachheimat e.V. bedankt sich herzlich bei der evangelischen Kirche Pforzheim sowie bei Theodor Leonhard für die gemeinsame Vorbereitung und die gute Zusammenarbeit.
