Mundart Poesie

Dialekte ermöglichen eine besonders vielfältige Ausdrucksweise. Das Schreiben in Mundart ermöglicht eine unmittelbare Verbindung zur regionalen Kultur.

Egal ob inhaltlich traditionell oder modern – sie bewahren und vermitteln ein Stück lokaler Identität, was besonders in globalisierten Zeiten einen einzigartigen Wert hat.

Mundartgedichte können zudem emotionale Tiefe und Authentizität vermitteln, da sie oft einen direkteren Ausdruck des Lebens ermöglichen.

Gedichte

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Friehling 2024

In r’m bliedezärdlich Hoffe
neigmold in sell lichde Beem
unnerm himmelsweite Offe
fließe d’Lewensschdreem.

Zwische Sonneschdich un Graubeldänz
uff’m feichd Asphald
disseld leis de junge Lenz
von r’m griene Bald.

Aus em Oschde fahrd e Gschroi
von em Dod sei Wiede
in de schdille Uffbruch nei
welgd die weiße Bliede …

Michael Köhler

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Osterspaziergang

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick, im Tale grünet Hoffnungsglück.“

Die uffmunternde Goethe-Zeile gehn Alt un Jung im
Friehjohr 2024 waiß Gott net leicht von de Zung.

S‘Kriegstreiwe un d’Missachtung von Menscherechte mache Sorge,
Beim Klimaschutz verschiebt ma Entschaidunge uff iwwermorge.

Un selle an Leib un Seel spürbare Poscht Covid –
Nachwehe hoogt ma ab, als wär durch des
Virus nix Eischneidends gschehe.

D‘Wortwahl beim moinungsverschiedene politische Dischbut
verdient en Hinnere voll Hieb mit em Nikolaus seine Rut…

Allerorts bestimme „alternative Wahrhaite“ s‘ Handle un Denke.
Do fallt’s schwer, de Blick uff die uffblühend Natur zu lenke.
I mecht anneweg zu so eme Perspektivwechsel rote,
weil uns drauß‘ e Schar von optimistische Frühlingsbote
als Koalition von Uffbruchwillige entgegesingt un -lacht!

Sei‘s Vogelgezwitscher, Veigelesduft odder d’Kirschblütepracht –
alles mecht an des, was äwe a wohrgnomme werre will, erinnere.
E Frischluftdusche kann s’Verklebe von de Sinneszelle verhinnere!
Ma sott des Gratisogebot vor de Hausdier regelmäßig ausprobiere.
Dassz was bewirkt, kannsch bei jedem Schritt a im Hinnerkopf spiere:
Du kannsch dei Eistellung juschdiere – egal zu wem odder zu was –
un treffsch beim Gedanke sordiere vielleicht sogar de Oschterhas!

Wolfgang Müller

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Fähndl im Wind
mit Tor-Tour

Fähndl im Wind
flattert am Audo.

Liebschtes Kind
mit Fähndl im Sommerwind.

Wie schnell kam mer rase
bevor es verropft werd?

Fähndl hinne
oder Fähndl vorne?

De Trend geht zu
zwei Fähndlin vorne.

Ganz selte sieht mer
vorne links un hinne rechts.

Viel Kärch sin international:
Deitsch Fähndl un türkischs Fähndl.

Farwigs Spiel
uhne Krampf.

Bleib bloß so kloi, Fähndl.
Bleib so zivil.

Mit jedem Sieg kummt nochemol
Oins SchwarzRotGold dezu.

Bis es e Flagschiff werd.
im Korso. D’ Fahn fährt mit.

S‘Fähndl hot’s noch weit,
Wenn’s leeft: Minche, Stuggard,
Dortmund, Berlin.
Was fer e Tor-Tour.

Irgendwann sin die vier Woche rum.

Voll Schwarzfahre
iwwer rote Ample,
mit falschem Goldpokal.

S Fähndl werd erscht eigrollt.
Wenn’s halt hot ne sei gsollt

Thomas Liebscher

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D’Schissl

Du bisch blous ä aldi Schissl aus Glohs.
Bisch dortmohls gohnet deier gwesset.
Awwa viel Geld hemma hald net ghat.

Un sou wohsch fa uns was Bsunnars.
Die ganze Johre un Jahrzehnte.

Do bisch du immer bei uns gwesst.

Ma henn dich gfillt mit so viel Zeigs.
Mohl mit Chips un Niss, mohl mit Schoklohd.

Du wohsch praktisch en Dohl vun unsam Lehwe.

Un jetzt hosch en Sprung. Ganz fei.

Awwa es wär ohfach viel zu gfährlich.
Schunn weje de Enkel.
Do soll jo nix bassiere.

Wu ma dich en’d Milltonn nei henn, sinn ma ä bissl Träne kumme.
Komisch, wie ohm en Gejestand ens Herz wachse kann.

Immer widda muss ma sich vun ebbes trenne, odda vun jemand.
Kohna will des – un jedesmohl dudds wäi.

Manchmohl ä bissl und manchmohl sou arg,
dass es schier net ausheldsch.

Ma seschd so leicht, dass des zum Lehwe hald däzu kehre dudd.

Awwa wann’s sou weid isch, dann hosch des Gfiehl,
dass des iwwerhaupt net rischdisch isch.

Du bisch hilflos un kannsch nix mache.

Kohn Mensch kann do was ännare –
un wanner noch sou stark oder reisch isch.

En Abschied dudd halt immer wäi – oh, wanns blous ä Schissl isch.

Charly Weibel

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Haiku

so hell de voll munnd
i bruch uf em wä heimzues
nit emol e lamp

no nit mol August
un schu zeige sich im wald
d erschti herbschtpfifferle

eigebluetspender
die schnook wu mich gstoche het
bluetet jetz fir mich

Wendelinus Wurth

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Gedonke – un onnere Spring

Absicht oder Zufall
Wie e Kind
Kei Drecklach uslosse
 
Herbststurm
Rushhour vum Lebe
Un irgendwo schnuuft ebber achtsom
 
Herbschtobend
D´Blätter falle na
Ohne z´motze
 
Stau un abwäge
Ob de ondre Weg
Wirklich so vill besser wär
 
Uf´m Spicher
Vrschdaudes Geschdern
Kei Platz fir Nejes
 
Selber gugge
Un entscheide
Schwarminstinkte hocke dief
 
Ibber´s Nochdenke ibber d´Ärbit
So miid werre

Un ischlofe

Veronica Kerber

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„blind“ date

mir henn bis heid
mit unsere worde 
in schwindeleregender heeh

e brigg in de nebel neibaud

uns dodebei 
am herzschlag vom annere 
ausgrichd

un jedzerd 
werre ma seh‘
ob sich unsere deil
in de midde dreffe dun

Michael Köhler

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Gude Vorsetz


Isch nemm mer owens sou viel vor,
was isch åm negschde Dåg als mache misse misst,
dånn läig isch misch uffs reschde Ohr,
zum Schlofe, wu mer, was mer mache misse misst,
vergisst.
Åm negschde Owend bin isch widder tatkräftisch,
was isch sou morje mache misse misst.
Un kimmt dånn der negschde Dåg, denk isch bedäschdisch,
dass mer doch går net alles, was mer mache misse
misst, å misst.

Willi Dehoust
(Nach einem Gedicht von Werner Knebel,
übersetzt ins Dossemerische)

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EUROPA

Hoffnùng , Freid üs ùns’re Lieder
Trawe ùns zùe neuje Taj
Àlli Mensche sin wie Brüeder
Àlli gehen de selwe Weij

In de Starne die ùns grüende
Welle mir e Zükùnft sehn
Üs de Traim die ùns verbinde
Baüje mir dich Stein füer Stein

Do wie ùnsri Lieder klinge
Wie ùns Lieb züefriede stellt
Kànsch dü Schùtz ùn Friede bringe

Àlle Kinder derre Welt
Noch sin d’Wùnde nit verschwùnde
Schon will ‘s Lewe ùf erstehn
Vor ùns blüeje frohi Stùnde
Wen mir d’selwe Stroße gehen

Serge Rieger
(Liedtext)

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Spootsummer

D‘Zit vun de ledschde Pflumme
Mache sich om Bode breid
Biete Weschbe Unterschlupf
Striff Hollerbeerli
Vun de bludde Fiis
Was bliibt
Sin ihre blaui Flecke
Zeiche vum spoote Summer
Der mi nu eimol
Zwische de Bruumerhecke kisst

Veronica Kerber

 

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schadde_amourelle

doch so dunggl, bidder, sieß
selle ibberraaife Frichd im Schadde
tollkirschglänzich dempfich Flies
sanfde Hiegl, von de gladde

Finger, wo sich um de schdraaide,
wer derf dir am nächschde sei
Libbe ibber Beere glaaide
schlubfe in all’ Egge naai

wie im diefschde Gligg versoffe
dreibsch ganz daub so vor de no
un von dausend Kiss getroffe
ziddersch naai ins ewich Do

bisch wie irr dei Hoor am raufe
feirig Haud, ai Abendrod
kannsch’s am End kaum meh erschnaufe
singsch defo im Klaaine Dood

Michael Köhler

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ätschebätsch

hagebutte
gsammelt zamme
d buewe un au
d maidle

d sießi rote
schale gesse
un d pelzigi
kernle

gnumme un de
maidle hinte
in de krage
gsteckt un

ätschebätsch gsait
wenn si sich nor
reecht gwunde un
prowiert

hen die kaiwe
kernle wider
loszwerre un
sich nit

wen usziehge
drum sage si
nor de buewe
ätschebätsch

Wendelinus Wurth

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4D – Die Dialekte der Deutschen

„Einig deutsches Vaterland“,
fast allen ist dieser Satz bekannt,
doch für die Sprache gilt das selten,
denn da gibt es verschiedene Welten.

Fakt, wo es uns geboren hat,
da ist „unsere Sprachheimat“,
wohin es uns in der Welt auch treibt,
es ist ein Stück, was immer bleibt!

Wer richtig hinhört, der entdeckt,
überall spricht man verschieden Dialekt,
das Hochdeutsch ist die eine Sache,
der Dialekt gilt als die zweite Sprache.

Diese besondere Sprache, Dialekt genannt,
ist auch als Mundart durchaus bekannt,
etwa zwanzig gibt es in allen Ecken
in den deutschen Landen zu entdecken.

Oft hat man die Mundart in ein paar Sekunden,
mit einer bekannten Person verbunden,
die diese besondere Sprache liebt,
dem jeweiligen Dialekt eine Basis gibt.

Aus dem Meer der Dialekte ragt eine Insel,
wo man vornehm spricht wie ein Pinsel,
um Hannover hält sich die Sprache rein:
„Hier spreche ich Hochdeutsch, hier will ich sein!“

Doch schon für den Norddeutschen ist es Fakt:
„Bey uns in Norden werd Platt gesnakt!“
Plattdeutsch dreht sich um den Nabel,
verbunden mit Ohnsorg und Heidi Kabel.

Ansonsten spricht der Hamburger Hein,
und „stößt sein‘ Fuß an‘ spitzen Stein“,
auch hatte Hans Albers die Mädchen gern
und nannte sie oft „lütte Deern“.

Ein Land muss man besonders nennen,
die „alles, außer Hochdeutsch“ können,
es macht sich international bekannt,
und hat sich stolz „the Länd“ genannt.

Auch früher stand es auf dem Plan
mit der „Schwäb‘schen Eisenbahn“,
mit der tragischen Geschichte, ein jeder weiß,
von der hinten angebundenen Geiß.

In München gibt es nicht nur Bier,
für Bayern gilt auch: „Mir san mir!“
„A Hund bist scho!“, das klingt zwar grob,
in echt ist es ein dickes Lob.

Kölns Dialekt kennt man überall,
schließlich hört man den im Karneval,
bei „BAB“ und „Höhner“ wird man „janz jeck“,
fremd für die Ohren, aber sonst recht keck.

Mainz singt auch zur Fassenacht,
dort feiert man bei Tag und Nacht,
Ernst Negers „Humba Täterä“
tut mir heut noch in den Ohren weh.

Hessisch babbeln geht schon eher,
denn Frankfurt liegt uns schließlich näher;
aus dem Bembel im Blauen Bock den Apfelwein,
Heinz Schenk schenkte den immer ein.

„Karl, moi Drobbe“ von Mama Hesselbach,
klingt mir im Gedächtnis nach,
eine anderer Satz klingt auch sonderbar,
„N‘ Kaktus muscht gieße, sunscht verdädda da!“

Bestes Hessisch, jedenfalls,
bringt die Gruppe „Badesalz“,
so gilt für Gescheite und für Dumme:
„Erbarme, die Hesse kumme!“

In Berlin heißt das Brötchen „Schrippe“,
und der „Ich“ meint, der sagt „Icke“,
der Berliner sagt „Stippe“ zu der Tunke,
vertreten durch den Entertainer Juhnke.

In Sachsen sagt man zu den heißesten Tagen:
„Eiforbibbsch, die Dämmse is nüsch zu ertragn.“,
bei Trinken und Essen, da brechen die Dämme:
„Jetzt kuttln mer was und katschn ne Bämme.“

Im Saarland sind die Franzosen nah,
dadurch ist die „Sprooch“ recht sonderbar,
„Des hann ich kumme gesieh“, oder auch knapp,
„Des basst wie ehm Begger Heinz sei Kapp“.

Der Pfälzer hat‘s Dubbe-Glas für seinen Wein,
das schenkt er sich und anderen ein,
er nimmt sich gern bei seinem „Schobbe“,
rechts und links in sein Arm „zwee Bobbe“.

Ein beliebter Spruch, trifft man sich zu zweit:
„Kumm guud niwwer uff d’anner Seit!“,
zur Sorge gibt es da keinen Grund,
es heißt „Mach‘s gut und bleib gesund!“

Ohne seine Dialekte wäre Deutschland arm,
denn jeder Dialekt, der hat seinen Charme,
deshalb sollte man lang und auf vielen Wegen,
seine außergewöhnlichsten Dialekte pflegen.

… erdacht und verdichtet von
© Kurt Seilheimer

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