Redewendungen im Dialekt
Redewendungen und Sprüche in Mundart, ob in Kurpfälzisch, Südfränkisch oder Oberrheinalemannisch, bringen die Dinge sprachlich auf den Punkt.
Nachfolgend einige Beispiele (zum Teil mit Audio-Dateien), die zeigen wie treffend die Dinge benannt werden, etwas, was in dieser Form im Standardeutsch nicht funktioniert …
Willi Dehoust | Kurpfälzisch aus Dossenheim
„Wånn die wisste, was do näikimmt, do keme mer näi un nimmer naus.“
So sprach der Metzger zu seinem Gesellen. Wenn die Kunden also wüssten, was in die Wurst alles reinkommt, dann kämen sie ins Gefängnis und nicht wieder raus.
„Jedem Dierle säi Blesierle“
Gemeint ist natürlich der Mensch, sei ihm seine kleine Freude (Pläsier) gegönnt
„Ich hebb mich gånz schäi abgezwatzelt “
Ich habe mich ganz schön abgemüht, mich beeilt, das und jenes noch zu erledigen.
„Do hew isch awwa gånz schäi gschtråndlt “
Als der mir das erzählt hatte, wollte ich es zunächst nicht glauben.
„Wånn se all kumme, gäihn se net all näi, awwa wånn se net all kumme, gäihn se all näi.“
Wenn alle in einer Gemeinde zum Gottesdienst in die Kirche gingen, dann wäre für sie nicht genug Platz; aber wenn sie nicht alle kommen, dann reicht der Platz für sie.
„Mariä Lichtmess, schbinne vergess, bei Dåg zu Nacht ess.“
Ab dem 2. Februar wurde nicht mehr Wolle gesponnen und man aß abends wieder bei Tageslicht.
„Wånn`s widda nauszus gäiht“
Das machen wir, wenn die Tage wieder länger werden. Man kann es auch noch im Frühjahr sagen, wenn man vielleicht irgendetwas noch nicht machen oder hinausschieben will.
„Wånn jetzat noch Buckel Bauch wär.“
Gemeint war: „Man könnte von dem guten Essen noch mehr zu sich nehmen, wenn man hinten auch noch einen Bauch hätte!“
„Ehr brennt jo widder ä Loch in de Dåg.“
Das hörte man von der Mutter oder Oma öfters. Wenn früher in einem Zimmer ein Licht oder eine Lampe brannte und niemand sich darin aufhielt, musste dies ausgemacht werden.
Angelika Futterer | Rheinfränkisch
„….isch schdumpf disch glei !“
(erbost oder im Zorn gesprochen) als Warnung von einem Kind oder Jugendlichen (meist Jungen , der verärgert ist über das Verhalten seines Gegenübers) ihm ans Schienbein zu treten…( Hochdt..: Ich werde dir gleich ans Schienbein treten !)
„Jetzt mach awwer mol da Babbe nit schdruwwlisch…!“
(man reagiert irritiert u. mit einer Vorahnung, dass etwas problematisch werden könnte, auf eine Nachricht von einem Gesprächspartner/in und möchte erstmal das Ganze bei sich setzen lassen) , wobei es sich beim „Babbe“ (= Vater ) um den wirklichen Vater handeln kann oder um eine andere Respektsperson (die die Beiden kennen) oder der Sprechende meint sich selber damit und ist („da Babbe“.). „Schdruwwlisch“ = das Gegenteil von gekämmt, frisiert, also mit zerzaustem Haar, wie wenn jemand sich aus Verzweiflung oder Ratlosigkeit ins Haar gegriffen hätte, dann ist man „schdruwwelisch“; jemanden schdr. machen = jemanden dazu bringen . so zu reagieren., aufgeregt oder aufgekratzt zu sein. Heutige hochdeutsche „Übersetzung“: Jetzt halte aber mal den Ball flach oder Jetzt mach mal langsam.(ehe sich jemand groß aufregt)
„Jou !“ / „Jou, wie ?“/ + Antwort „Halwer hie !“
Dieses laut gerufene „Jou !“ ist ein altes Philippsburger Grußwort u. wird Leuten gegenüber gebraucht, die man kennt u. denen man auf die Schnelle , meist auch von weitem oder auf der anderen Straßenseite begegnet, z.B. auf dem Fahrrad. Wird mit oder ohne zusätzl. Kurzwinken gerufen.
Es hört sich an wie das kurze Bellen eines Hundes , weshalb Ortsfremde irritiert sind u. oft schon gefragt haben , weshalb sich die Philippsburger anbellen würden (?).
Es wird auch in erweiterter Form gebraucht mit einem angehängten „wie“ ? (Hochdt. Wie geht es Dir ?) , wenn man z.B. jemanden schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte oder man wirklich oder halt auch spaßhalber wissen möchte, wie jemand drauf ist.
Ist der/die Gefragte ein Spaßvogel u. hat keine Zeit für Erklärungen , so gibt es meist als Antwort auf „Jou, wie ?“ ein kurzes „Halwer hie !“ (Hochdt.: Halb kaputt !) , auch wenn es nicht wirklich so ist.
Veronica Kerber | Oberrhein-Alemannisch
„Hocksch uf´m Schnäpperli?“
Fragt man jemanden spöttisch, der nervös, gespannt auf etwas oder hibbelig ist.
„Was ziegsch widder fir e Bletsch?“
Was machst du wieder für ein miesepetriges Gesicht/Schmollgesicht ?
„Du bisch schnaigig wie e Geis“
Sagt man eher negativ meinend zu einem anspruchsvollen Esser, also zu jemandem der extrem wählerisch ist.
„Ihr renne grad widder fort, wie d´Säu vum Trog“
Sagt man zu Kindern, die den Esstisch verlassen ohne helfen, abzuräumen.
„D‘Biire sin gschittelt“
Es ist nicht mehr zu ändern, meine Entscheidung ist gefallen
„Jetz isch Hai dunde!“
„jetzt ist das Heu unten“ – der entscheidende Zeitpunkt ist vorbei, sie Situation ist endgültig
„Die blärrt wege jedem Hafekäs“
Sie weint wegen jeder Kleinigkeit / aus jedem Käse wird ein Drama gemacht
Bernd Siemers | „Brigandisch“ oder Karlsruher Deidsch
„Des isch de Meis pfiffe!“
Das ist den Mäusen gepfiffen!
Das kann man vergessen.
Das ist nichts wert
„Des, der odder die, isch m‘r hinne so hoch wie vorne!“
Das, der odder die, ist mir hinten so hoch wie vorne!
Das, der oder die, interessiert mich überhaupt nicht.
Das, der oder die, ist mir gleichgültig, ist mir egal
Charly Weibel | Rheinfränkisch
„De Bär isch g’schehlt“
Es ist nicht zu ändern.
Es ist passiert.
„Do griggsch doch grohd die Kränk“
Ausruf des Erstaunens „Das darf dorch nicht wahr sein!“
„Des schmeckt wie eig’schlohfene Fieß“
Das Essen mundet nicht.
