Mundart zieht in Epfenbach

Unsere Sprachheimat beteiligt bei Veranstaltung mit 300 Besuchern

Mundart zieht: Ihre Vielfalt kann begeistern, wenn unterschiedliche Akteure die Eigenheiten des Dialekts präsentieren und künstlerische Funken draus schlagen. Das ist die Erkenntnis aus dem Mundartabend in Epfenbach, den Unsere Sprachheimat als Kooperationspartner mitveranstaltete. Vorsitzender Thomas Liebscher stellte für den Heimatverein Kraichgau, der Mitglied bei der Sprachheimat ist,  das Programm zusammen, der Verein für Heimatpflege Epfenbach übernahm die perfekte Organisation und so genossen nicht weniger als 300 Besucher das Programm mit handgemachter Musik, Theaterszenen, Gedichten, badischer Mundart-Comedy und schwäbischen Frauentypen.

„Lang war’s, aber nie langweilig. Schließlich wurde der Bauch durch das feine Vesper der Landfrauen von Anfang an ebenso gut versorgt, wie Kopf und Herz durch das Künstlerprogramm. Unglaublich heiter gestimmt waren schnell die Leut, die den Laaf hatten nach Epfelbach, so der Name im Dialekt.

Sänger Bernhard Lorenz eröffnete

Liebscher führte selbst durch das Programm, das Bernhard Lorenz mit kräftigen rockigen Tönen eröffnete. Der Sänger und Gitarrist, Sprachheimat-Mitglied aus Bischesse (Neckarbischofsheim) unterlegt bekannte Melodien mit kurpfälzischen Texten. So stieg der gebürtige Heidelberger gleich witzig mit allen Folgen ein, die drei Gramm Hasch erzeugen können.
Für die angenehm kurzen Begrüßungen sorgten Thomas Ambiel, Susanne Kaiser-Asoronye (HV Kraichgau) und Epfenbachs Bürgermeister Pascal Wasow.

Unsere Sprachheimat in Epfenbach
Unsere Sprachheimat in Epfenbach

Dann wurde es gemütlich auf der Bühne und Mundarttöne aus Eschelbronn drangen ans Ohr. Die Sellemols Theaterleit zeigten mit liebevollen Requisiten und Kostümen drei Szenen. Eine Frau will von ihrem Mann beim Frühstück wissen, wie es bei der von ihm besuchten Hochzeit am Vorabend war. Wobei sich herausstellte, dass er in der Stadt wohl in ein anderes Ereignis mit merkwürdigen Speisen – Fleischküchle ohne Fleisch – geraten war.

Buchvorstellung Kraichgauer Wortschatz

Die Sellemols wurde von Marlies Echner-Klingmann gegründet. Von der 2020 verstorbenen bekannten Autorin, stammt eine Sammlung Kraichgauer Wortschatz. Das wertvolle Buch wurde 2026 neu herausgebracht, bewahrt Dialekt des östlichen Kraichgau und ist seit Februar ein regionaler Renner. Der Heimatverein Kraichgau stellte das Werk vor, zu dem Thomas Liebscher ein Vorwort und eine Würdigung von Marlies Echner-Klingmann beisteuerte.

Unsere Sprachheimat in Epfenbach
Unsere Sprachheimat in Epfenbach

Am Abend beteiligt waren im weitere Comedian Heiko Maier mit unglaublichem Mundwerk und leidenschaftlichem Gitarrenspiel. Die wenigsten Besucher hätten wohl gedacht, was für ein Feuerwerk der Wiesentaler abbrennt. Erfrischend kluges Babbeln zu allen Alltagsthemen, Beobachtungen zu Mundart und kuriosem Standarddeutsch sowie direkte Ansprache zu einzelne im Publikum sind seine Markenzeichen neben skurrilen Liedern. Daniel Ambiel und Hannelore Förster mit alten Gedichten aus Epfenbach über einen Brunnen sowie eine Eisenbahnfahrt hatten ein Heimspiel.

Des Gonze war ned ledz

Die schwäbische Kabarettistin Sabine Essinger.  Sie schlüpfte schnell in verschiedene Frauenfiguren einer Familie Fleischle. Das Spiel mit Klischees wie mit geistreichen Anmerkungen beherrschte sie souverän. Wenn dann noch Comedy und Jodeln in der Dusche dazukamen, hatte sie das glucksende Publikum auf ihrer Seite.
Mit fliegenden Fingern und der Kraft des kurzpfälzer Rock’n  Roll sorgte Bernhard Lorenz für den musikalischen Abschluss. Und erinnerte zur Melodie von „Hit the Road, Jack“ an ebbes, das gar nicht geht beim Schnitzelessen: Sie lässt die Soß weg.

Mit großem Schlussapplaus ging der denkwürdige große Mundartabend bei freiem Eintritt und Spendenbeteiligung der Besucher zu Ende. Des Gonze war ned ledz.

Bericht: SPH | Fotos von Uwe Kaiser 

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