Faschd Weihnachde
Herzliche Weihnachtslesung in Grezzinger Mundart begeistert Publikum
Mundart, Musik und jede Menge weihnachtliche Stimmung: Am Sonntag, dem 7. Dezember, verwandelte sich der Bürgersaal im Grötzinger Rathaus in einen Ort lebendiger Dialektkultur. Der Verein Unsere Sprachheimat e.V. lud gemeinsam mit den Heimatfreunden Grötzingen zu einer besonderen Weihnachtslesung ein – und wurde mit einem vollbesetzten Saal belohnt.

Gleich zu Beginn, ein Highlight: 1. Vorsitzender der Grötzinger Heimatfreunde, Dr. Klaus Feige, eröffnete den Abend op Platt – ein wunderbarer sprachlicher Brückenschlag.
Plattdeutsch ist kein Dialekt, sondern eine eigenständige westgermanische Sprache, erklärte er. Was er noch alles genau sagte? Tja…das bleibt sein Geheimnis. Auch die Standardsprache kam in einem Grußwort des Ortsvorstehers Jens Jägle zu ihrem Recht.
Insgesamt 7 regionale Autorinnen und Autoren der Sprachheimat präsentierten anschließend humorvolle, besinnliche und auch nachdenkliche Beiträge in ihrer jeweiligen südfränkischen Mundart, darunter die Grezzinger Originale Rosie Müller, Harald Schwer und Volker Ebendt.
Die „bagge Breedle un de Danneduft“ waren förmlich zu riechen. Wer aber gedacht hatte, Mundart sei nur gemütlich und für schnelles Schmunzeln gut, wurde gleich mehrfach eines Besseren belehrt: Diese Autorinnen und Autoren zeigten sich sprachlich gewandt und mit erstaunlicher Bandbreite. Neben humorvollen Momenten zeigte sich, dass Mundart ebenso tiefgründig, gefühlvoll und nachdenklich sein kann und ohne Scheu auch komplexe und ernste Themen trägt.
Zu Beginn ließ Harald Schwer die Weihnachtszeit, den Abend der Bescherung von „domols“, aus seiner Sicht als Kind lebhaft präsent werden.
Ihm folgte Michael Köhler aus Ettlingen, der die traditionelle Erzählform teils mit poetisch verdichteten Texten durchbrach und eine moderne Dimension der Mundart eröffnete.
Angelika Futterer ist aus ihrer Arbeit mit Schüler*ìnnen eines Gymnasiums das spontan entstandene Mundartgedicht eines 11-jährigen Jungen in Erinnerung geblieben, dessen entwaffnender Humor ihr und den Zuhörer*innen bis heute ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Außerdem berichtete sie von einem ganz besonderen „Geschenk“ im Nachklang zu einem ausgiebigen Fest, dessen unfreiwillige „Komik“, wohl jede und jeder in der gleichen Situation still seufzend nachvollziehen kann: „Mir zwei sin für’nanner bschdimmt: mein G’scherrberg un ich.“
Auch Bernd Siemers schwelgte reichlich in Erinnerung. Im schönsten Brigandedeutsch ließ er die „dufdende Breedle“ von seiner Oma und das Schmücken des Weihnachtsbaumes zur Erheiterung des Publikums humorvoll aufleben.
Rosie und Wolfgang Müller berichteten unter anderem von Wunschzetteln und die besonderen Recyclingmethoden beim Nutzen von damaligem Geschenkpapier.
Den Reigen der Mundarttexte beendete Volker Ebendt mit einer berührenden Geschichte über das eigene Erinnern an sein ukrainisches Kindermädchen Luis. Ein authentisches und warmherzig erzähltes Erlebnis, welches gerade aus heutiger Sicht und Relevanz, ganz unprätentiös, aber umso intensiver Menschlichkeit einfordert.

Von Bette Midler bis zu einem japanischen Kinderlied
Musikalisch veredelt wurde der Abend von Jochen Bohmüller und Paul Mehrer an der Mandoline. Ihre Lieder schlugen im Gegensatz zu den heimatverbundenen Mundarttexten einen Bogen in die weite Welt; unaufdringlich und doch so präsent überzeugten Bohmüller und Mehrer das Publikum mit dieser gelungenen Kombination.
Abschließend bedankte sich Veronica Kerber, die Mitvorsitzende des Vereins Unsere Sprachheimat, bei den Protagonisten des Abends für ihre Beiträge und den aufmerksamen Gästen für ihren Besuch. Verabschiedete dann alle Anwesenden mit warmherzigen Worten in ihrem alemannischen Dialekt in die bevorstehende Weihnachtstage.
„Des war so schee, des muss ma unbedingt wiederhole“
Die große Teilnahme machte deutlich, wie wichtig und wertvoll regionale Sprachkultur für die Menschen ist – gerade in der Vorweihnachtszeit, in der Geschichten, Traditionen und gemeinsames Erleben eine besondere Rolle spielen. Die beiden Vereine setzten ein starkes Zeichen für den Erhalt der lokalen Mundart in Grötzingen. Die Hoffnung, dass solche Abende künftig eine feste Tradition werden könnten, war unter den Zuhörerinnen und Zuhörern deutlich spürbar.
Schlussbild mit den Protagonisten:

V.K. / M.K.
