UNSERE SPRACHHEIMAT - AKTUELL

No. 6 - Oktober 2024
Diesmol g'wirzd mit Oberrhein-Alemannisch ...

Jetz isch er do - de Herbscht! Die Zeit, in der die Tage kürzer werden, das Laub in satten Farben leuchtet und der Duft von Äpfeln in der Luft liegt.

Unweigerlich kommt einem das Sprichwort „Ich weiß, wo de Barthel de Moscht holt!“ in den Sinn. Wir verwenden es gerne, wenn wir sagen wollen: „Da kennt sich einer aber aus, der ist schlau!“
Wo diese Redewendung herkommt, was es sonst für schöne Ausdrücke im Oberrhein-Alemannischen Sprachgebiet von Unsere Sprachheimat gibt und anderes erfährt ihr im heutigen Newsletter.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen ...

Lieder aus der Sprachheimat


Feierowend

Mir sitze oweds nochem Gschäfd
uff dere Bonk doh vorem Huhs,
mir sinn dahaim un ruhrä uhs.
Jetz isch au Zidd für unser Schbroch,
für unsern Dialekt.
Jetz schwetze ma so wie mir's welle,
nit wie's de Scheff gern hädd.

Die Laschd vom Dahg isch ganz widd fort,
isch ruck zuck jetzt verschwunde.
Mir sinn dahaim in unserm Ort,
henn unsre freie Schdunde.

Jetz fille ma uns ganz frisch uff,
bem Schwätze, bem Verzehle.
Jetz hole ma uns neue Kraft
für Körper, Geischd un Seele.

De Platz wird knapp, de Platz wird eng
uff dere Bonk doh vorem Huhs.
Mir ruddsche zomme, jeder e weng,
des macht keinem ebbes uhs.
Uns geht nit long bis einer donn
e erschdes Liedl singt.
Bsunders donn wenn in ondere
e Moschdhäffele bringt.
S'lidd Beddglock, s'wird dischbelig,
mir sinn als om verzehle.
S'wird schbohd un schbäder, schdock schduhde Nachd
un d'Kirchturmuhr schlagt zehne.

Vorm Huhs wird's schdill un d'Bonk wird leer
un alle gehn jetzt haim,
fidel un froh, bsinlig un schdill, un jeder voller Draim.

Un einer der wird wohr dävo,
bruchsch gar nit long druff wahde.
Om negschde Owed sinn se alle widder
doh uff dere Bonk im Gahde.
Text: Burkhard Merkel
Gesang und Musik: Christoph Merkel
Lied anhören


Gugg mol uff BabbelBobbel!

Unsere Kinderseite - Dialekt-isches für Klein und Groß ...

Unter dem Motto „Spielend den Dialekt entdecken“ erwarten dort Groß und Klein Spiele, Lieder, Reime, Geschichten und vieles mehr. Wir legen großen Wert darauf, dass die Nutzer die Möglichkeit haben, die Dialekte "Unserer Sprachheimat" auch zu hören.
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S’isch wieder sowitt.

D’Nächt wärre kälter, Blätter bunter un’s Laub keit runder.
S’isch Herbschd. Deshalb losst au d’Krach vu de Räsemäher in de Vorgärte langsam noch, un wird abglöst vom Getöse vun dene Laubblooser.

Denn wär nimmt hitt noch e Räche in d’Händ!
Nei sobald erschdi Blättli nundersegle, wird die Maschin a‘gworfe, un lospuschded was russkummt. Jesses nei, was do alles in d’Luft gwirbelt wird: Feinstaub, Schimmelpilz, Spore un pulverisierter Hundedräck, un näbe här natürlich au e bissli Laub.
In Dittschland solle jo in d‘ leschde Johr, sage un schreibe, 500.000 Laubblooser un -sauger kauft worre si. Wieviel Laubräche si verkauft hän, weiß i nitt. Aber, wenn i mich so in d’Nachbarschaft umguck, könne des nimmi viele gwäse sei.
Debbi – so e Laubräche isch doch e feini Sach! Meischdens het ma sini Blätter viel schneller zämme, s’macht kai Krach, s’verpeschtet die Luft nitt, un ma stärkt noch die Armmuskulatur, un spart sich’s so‘s Gäld für d’Muggibude.

Also:
Wenn’s Obends wird schu früher dunkel,
wenn’s näblig wird un ziemlich frisch.
Wenn‘ Laub bunt in d’Sunne funkelt,
es Biire, Epfel, Nusse git.
Wenn bloose wird, un nimmi kehrt,
jo liibe Litt, jo dann isch Herbschd.


Des war Oberrhein-Alemannisch
von Bernhard Asal


Brauchtum -Redewendungen
„Rotwelsch“ ?!


„Ich weiß, wo de Barthel de Moscht holt“

Seller Barthel isch des nid de Bartholomäus, der bi uns als Synonym für e Buur oder Winzer gnumme wird? De Moscht isch de frisch presste Saft vun Äpfel oder Triibel, der noch z´jung isch, um als fertiger Winn oder Apfelwinn z´gelte. Oder nid?

Hmmm…warum sollte sich ein Winzer den Most bei der Konkurrenz holen? Wahrscheinlicher ist eine andere Erklärung, die weniger mit Herbst zu tun hat. Das Sprichwort kommt vielmehr aus der Räubersprache, der Kunstsprache Rotwelsch (von rot = schlau, gerissen, falsch und welsch = unverständlich, fremd); diese Geheimsprache entwickelte sich im Mittelalter aus verschiedenen Sprachen, Jargons und Dialekten. Dort ist „Barthel“ kein männlicher Vorname sondern die Bezeichnung für Brechstange (Barsel) und „Most“ ist kein Getränk, sondern steht als Synonym für „Geld“. Der Räuber weiß also genau, wie er mit seinem Eisen an seine Beute kommen kann.
Bis heute hat die Sprachvarietät Rotwelsch in unserer Sprache Spuren hinterlassen und ist dabei stark von lokalen Dialekten geprägt. Hat einer „e Aff“, einen Affen, hat er einen Rausch, landet man in einer Beiz, sitzt man im Gasthaus, isch „Saurigurkezitt“ durchlebt man schwierige Zeiten.

Spannend findet das auch Unsere Sprachheimat-Mitglied Hans Slama, der sich schon seit den 80er Jahren mit dem Rotwelsch beschäftigt. Intensiv beschäftigte er sich zum Beispiel mit dem Mythos der Odenwälder Räuberbanden wie den Hölzerlips. Hierbei entdeckte er, dass viele Begriffe der Alltagssprache aus dem Jenischen („kluge Sprache“) oder Rotwelsch stammen, ohne dass es den meisten Menschen bewusst ist. So bleiben viele Wörter und Begriffe der Räubersprache bis heute lebendig.

Fazit: Das Sprichwort ist mundartlich gefärbtes Rotwelsch! Es handelt sich ursprünglich um einen verhüllenden Ausdruck für einen Einbruch. Also, wenn bi eich mol einer meint, er wisst, wo de Barthel de Moscht holt, no misse na´m zeige, wer d´Buuri vum Hof isch! Fir letzschderi Redewendung gibts im Oberrhein-Alemonnische leider leider kei männliches Pendant.

Beteilige Dich!
  1. Das Künstlerverzeichnis auf unserer Homepage steht allen Mitgliedern offen! Hier könnt ihr euch vorstellen und von euch erzählen. Also MITMACHE un IIDRAGE! Auch freuen wir uns über Gedichte für unsere Poesie-Ecke. Oder möchtest du gerne einmal eine Kolumne beitragen? Melde dich unter: info@unsere-sprachheimat.de
  2. Für unsere Kinderseite Babbelbobbel www.babbelbobbel.de freuen wir uns über Beiträge in Mundart, z. B. Geschichten und Sagen, traditionelle oder moderne Verse und Abzählreime, Gedichte für Kinder. 
Wenn du dich beteiligen möchtest, melde dich unter info@unsere-sprachheimat.de
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Sprachperlen-Rätsel
Wer oder was ist ein Mehlstaiber?
Schreibt uns bis zum 31.11.2024 an info@unsere-Sprachheimat.de. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir ein handsigniertes Mundartgedicht von einem „Überraschungspoeten“ oder einer "Überraschungspoetin".


Neue Mitglieder

Herzlich begrüßen dürfen wir:
Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde e.V.1965
Lorenzo Saladino, Ettlingen


Veranstaltungstipp

08.11.2024

2. Mundarthoggedse in Wiesloch
Do hoggedse un roggedse widder ...

Der Stammtisch von Unsere Sprachheimat e.V. bietet die Gelegenheit, sich in gemütlicher Runde kennenzulernen und unsere Mundarten lebendig zu halten.
Egal, ob ihr einfach nur schwätze, redde und babble wollt, kleinere Mundarttexte oder das Miteinander genießen möchtet – Mitglieder und Gäste sind herzlich willkommen!
Wann: Freitag, 08.11.2024, ab 18:00 Uhr
Wo: Brauhaus Freihof Wiesloch, Freihofstr. 2, 69298 Wiesloch
Gäste herzlich willkommen, Anmeldung erbeten unter:
info@unsere-sprachheimat.de
Informationen über weitere Veranstaltungen findet Ihr auf
www.unsere-sprachheimat.de.

// Unsere Sprachheimat e. V. schwätze – redde – babble
// Hintere Spitalstr. 2, 76228 Karlsruhe, Tel. 0721/ 9823658
// Isabell Arnstein, Veronica Kerber, Elfi Neubauer-Theis
// Sparkasse Karlsruhe; IBAN: DE37 66050101 0108377797
// Registergericht Mannheim: VR 703815
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