|
|
|
|
UNSERE SPRACHHEIMAT - AKTUELL
|
|
|
|
|
|
|
|
... diesmol gschriwwe vun de Elfi
|
|
Liebe Leser*innen,
|
|
|
Dialekte haben‘s schwer, es sei denn man spräche bairisch oder honoratiorenschwäbisch. Das ist einigermaßen akzeptiert wegen gewisser Persönlichkeiten, die akustisch ihre Herkunft als Krawatte raushängen lassen und bisweilen damit Politik machen. Aber wir, die armen Mundartpoeten und - poetinnen tun uns schwer damit, ein größeres Publikum zu finden, außer man käme aus Monnem un hätte lange schwarze Haare, mit denen man Headbanging machen könnte
|
|
Also, das fehlt uns auch noch, das lange Haar. In jedem Fall, wir mühen uns ab und wollen nicht in den trivialen Sumpf der schalen Witze und Kalauer abgleiten, um Mundart eher dort zu verorten, wo sich das Wörtchen Literatur dafür eignet. Deshalb wollen wir mal genauer hinsehen, wo es Mundartliteratur überhaupt gibt:
|
|
|
|
Für die dramatische Literatur des Realismus bedeutete die Verwendung des Dialekts einen quasi revolutionären Schritt, was Georg Büchner mit seinem Werk „Woyzeck“ zu spüren bekam. In der Epoche des Naturalismus hat sich dann Gerhart Hauptmann für die realitätsnahe Darstellung seiner Bühnenfiguren eingesetzt. In seinem „Biberpelz“ wird kräftig berlinert und in „Die Weber“ spielt die schlesische Mundart ebenfalls eine bedeutsame Rolle. Man sollte nicht vergessen, dass Gerhart Hauptmann 1912 den Literaturnobelpreis bekam. Obwohl Kaiser Wilhelm II. Hauptmanns Kunst als „Rinnsteinkunst“ bezeichnete.
|
Wir brauchen aber gar nicht so weit in den Norden zu gehen und uns Klaus Groth oder Fritz Reuter als Beispiel nehmen. Wobei gerade Groth mit seinem niederdeutschen Werk das gleiche wollte wie wir wollen: „die Ehre des Plattdeutschen (sprich der Mundart) zu retten“ .
In Süddeutschland kennt jeder Johann Peter Hebel. Er hat bei uns die Maßstäbe gesetzt für Mundartliteratur. Immerhin logiert er auf der ZEIT-Liste der 100 Bücher.
|
|
|
|
Aber das hilft der Mundart auch nicht viel weiter, denn offensichtlich ist der Dialekt doch ein Jobkiller, wie man einem Pressebericht entnehmen kann, wonach man offensichtlich 20 Prozent weniger verdient, wenn man seinem gewachsenen Schnabel vertraut. (Deutschlandfunk Nova, Rahel Klein, 21. August 2020)
Bleibt also festzustellen: Mundart und Karneval und Kabarett - aber nicht Literatur.
Zum Glück gibt es dennoch Menschen, die mit ihren Mundartwerken etwas Dauerhaftes geschaffen haben und solch einem Menschen möchte ich mich heute zuwenden: denn er wäre am 22. März 100 Jahre alt geworden. Sein Todestag jährt sich am 23. Juli zum 25. Mal.
Also ein Grund, an ihn zu erinnern, das meint eure Elfi
|
|
|
|
|
|
schwätze - redde - babble
|
|
|
|
|
Rudolf Lehr, geboren in Sandhausen, hat sich bereits in den 60er Jahren mit seiner Heimatmundart auseinandergesetzt. Die Kurpälzer Leit waren ihm eine Herzensangelegenheit und ihm ist es auch zu verdanken, dass viele Mundartautor/innen überhaupt einen Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben.
Seine Bücher hat er für viele Mundartkolleg/innen geöffnet und so die Gedichte und Geschichten einer ganzen Gruppe von Autoren und Autorinnen herausgegeben.
|
|
|
|
Foto mit freundlicher Genehmigung von Helmut Pfeifer
|
|
|
In „Do sin mir dahââm“ beispielsweise oder zusammen mit Bernd Diebner in der Nord-Süd Anthologie „Mundart an der Wende“.
|
|
|
|
Er hatte sein Ohr immer an der aktuellen Mundartlage. Ich lernte ihn kennen als einer der drei Rudolfs beim Mundartwettbewerb des Arbeitskreises Heimatpflege des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Nicht nur die Chancen einer Veröffentlichung, auch Lesungen mit ihm bzw. von ihm organisiert, brachten Mundartkünstler/innen in die Öffentlichkeit. Lebhaft erinnere ich mich noch an eine mit vielen Autor/innen durchgeführte Lesung in der Stadtbücherei Heidelberg, als die Anthologie zu Weihnachten „Beim Kerzeschei“ der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Und nicht nur die, sondern auch „Durch’s gonze Johr“. Ein großer Kreis von Mundartautoren und - autorinnen hatte sich zu einer gemeinsamen Lesung und gemeinsamen Gesprächen getroffen.
In seinen Büchern sammelte er die rechtsrheinischen pfälzisch-fränkischen Mundarten, nachdem Veröffentlichungen in der Rhein-Neckar-Zeitung – er war Leiter der Wieslocher Redaktion – auf positive Reaktionen stießen. Sein mit Paul Waibel veröffentlichtes „Muddersprooch-Buch“ ist eine wunderbare Sammlung der unterschiedlichsten Mundarten vom Pfinzgau über das Rheinfränkische und den Odenwald bis hin ins Bauland. Übrigens eine Fundgrube interessanter Mundartausdrücke:
„Wenn e drekedi Batschkachel mit em Dabbschädel streitet, kann das schon zu einem ausufernden Geschimpfe werden.“
|
|
|
|
Ein Ratschlag vom Sandhaser Autor, den man immer befolgen sollte :
|
" ‘S Maul ufmache, wanns Zeit isch Net so viel schwätze, ruhisch bleiwe. Noch ruhischer werre un immer noch ruhischer.
Awer schloof net ei debei. Wanns Zeit isch, musch‘s Maul ufmache.
Schenir dich net, uf de Disch zu klopfe, ..."
|
|
|
|
Gedichtauszug aus: Rudolf Lehr /Paul Weibel „Muddersprooch, Sandhausen 1980
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
--- Elfis Buchempfehlung für den Lesesommer ---
|
|
|
Chako und Britta Habekost: Traubentod
|
|
|
Leider ist der Titel nicht unbedingt der Angelhaken, wegen dem man das Buch kauft. Für mich war es eher der Name des Mannheimer Autors. Denn er verspricht Begegnung mit dem pfälzischen Dialekt. Diese wiederum war anfangs zwiegespalten, denn die Mundart kommt sehr gezähmt daher, wirkt gekünstelt hochdeutsch und erst im Verlauf der Geschichte, wenn man sich quasi eingelesen hat, kommt der pälzische Saund riwwer. Vielleicht liegt das auch an der Geschichte selber. Die Hauptpersonen entwickeln sich zu Sympathieträgern und man hört sie quasi im Geist ihr Pälzisch babbeln. Zwar ist der Protagonist Carlos ein Hamburger, aber zwischenzeitlich zeigt sich seine Anpassung nicht nur, weil er den pälzer Schobbe ausm Dubbeglas drinke dut, sondern auch bisweilen entsprechende Redewendungen gebraucht.
|
Die Geschichte an sich ist eher trivial: zwei Brüder versuchen den Fängen der Mafia zu entkommen, für die sie den in die Pfalz geflüchteten Hamburger um die Ecke bringen sollen, weil dieser in seiner Funktion als Polizist ein wichtiges Mafia-Mitglied, den Kopf der Bande, erschossen hat. Er wird dort in der Pfalz in Elvenfels aufgespürt. Das führt zu jeder Menge Verwicklungen, zumal gleichzeitig eine Filmcrew in das Dorf einfällt, um einen Krimi zu drehen, bei dem auch einzelne Dorfmitglieder mitspielen dürfen. Man lernt originelle Figuren wie den Dorfpfarrer Karl, Charlotte, die Geliebte von Carlos, und jene typisch Pfälzer Erscheinungen Otto und Willi kennen, die mit ihrer Mentalität und Zugriffsbereitschaft für die nötige Action sorgen. Dass auch Paradiesvögel wie Anna das Dorf bevölkern, bereichert die fantastischen Möglichkeiten der Begegnungen mit ungewöhnlichen, sagenhaften Figuren wie dem Traktorfahrer Erwin oder gar mit jenen sagenumwobenen Elwedritschen. In Habekosts Roman kann man sogar Lesezeuge des Schlüpfens junger Elwedritschen werden, also eine Welturaufführung, denn noch niemand hat diesen Vorgang so detailliert beschrieben. Ganz besonders pfälzisch aber sind die unterirdischen Zugänge zu einem Geheimort, an dem man den Zauberwein trinkt, dessen drei Schlucke eine immense Verwandlung der Menschen hervorruft: sie werden redlich, sozial und sympathisch, sprich echte Pälzer mit dem Herz auf dem rechten Fleck.
Es ist all dieser Unsinn, dem man so bereitwillig folgt, weil er köstlich weingeschwängert eine Leichtigkeit des Lebens vermittelt, die es zwar nicht gibt, der man aber im Buch glaubt und sich verzaubern lässt von all diesen Fantasiegeburten, die doch nichts anderes sagen als „lewe un lewe losse“.
|
|
|
|
|
|
- Kennt ihr schon unsere neue Rubrik „Mundart-Poesie“ auf unserer Homepage? Schicke uns deine schönsten Mundartgedichte und sei Teil unserer kreativen Gemeinschaft! Gerne auch mit Sprachaufnahme.
- Für unsere Kinderseite Babbelbobbel www.babbelbobbel.de freuen wir uns über Mundartgedichte, Reime, Witze und sonstige Einsendungen, die zu den Rubriken der Homepage passen. Einsendungen gerne an veronica.kerber@unsere-sprachheimat.de
- Falls ihr Interesse habt, den Verein als aktives Mitglied bei Veranstaltungen zu unterstützen, lasst uns das bitte wissen.
Am besten signalisiert ihr uns dieses, indem ihr euch in unserer Künstler- datenbank auf der Homepage eintragt! Auch wer noch nie auf einer Bühne stand und sich einmal ausprobieren möchte, ist bei uns herzlich willkommen.
|
|
|
|
|
|
Auflösung des letzten Rätsels : Gefragt wurde nach dem Wort „Bumbelesbadscher“.
|
|
Das Wort im Karlsruher Brigandedeutsch beschreibt einen Mann, der seiner Frau die Handtasche hinterherträgt.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
In dieser neuen Rubrik begrüßen wir in Zukunft unsere neuen Mitglieder die seit Erscheinen des letzten Newsletters beigetreten sind. Du bist schon länger dabei und möchtest hier im nächsten Newsletter auch noch einmal begrüßt werden? Dann schreibe uns!
|
Herzlich begrüßen dürfen wir seit März 2024:
|
|
Heimatverein 1922 Hainstadt i. B. e.V.
|
|
Heimatverein Kraichgau, Hemsbach
|
|
Karl-Heinz und Barbara Schneckenberger aus Sinsheim
|
|
Thomas Seidelmann, Neckarbischofsheim
|
|
Café Achteck, Mundartband aus Bruchsal
|
|
Johannes Köhler, Karlsruhe
|
|
|
|
|
|
Veranstaltungstipps 06.07.2024
Abenteuer Haiku – kostenloser Workshop für Kinder und Workshop Haikus schreiben für Erwachsene
|
|
|
|
Können Regentropfen Klavier spielen? Auf Brennnesselblättern? Im Haiku, einer japanischen kurzen Gedichtform können sie das. Und natürlich noch viel mehr. Beim genauen Wahrnehmen fällt uns viel auf. Das Haiku hilft uns dabei, diese Sinneseindrücke in Worte zu fassen und damit festzuhalten, um sie mit anderen zu teilen
|
|
|
|
Wann: Samstag, 06.07.2024, 11:00 - 12:30 Uhr, für Kinder von 8-12 Jahren
|
|
16:00 - 17:30 Uhr, für Erwachsene
|
Wo: Haus Conrath, Weinbrennerstraße 7, 76307 Karlsbad
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
27. Juli 2024:
Mitgliederwanderung im Heidelberger Bereich - „Wanderung mit Poesie“ Hierzu die Einladung zur ersten Mitglieder-Wanderung:
|
|
|
|
|
„Wanderung mit Poesie“ heißt der Ausflug, zu dem die Mitglieder „Unserer Sprachheimat“ herzlich eingeladen sind. Hier können sich die Mitglieder beim Wandern näher kennenzulernen, plaudern und auch Gedichte der beiden aus der Heidelberger Region stammenden Mundartautorinnen Ilse Rohnacher und Marlies Echner-Klingmann hören sowie Gedichte von Rudolf Lehr.
|
|
|
|
Am Samstag, den 27. Juli führt unser Wanderwart Wolfram die Wanderfreudigen auf eine insgesamt ca. 12 km lange, mittelschwere Tour. Ausgangspunkt ist der Bahnhof Neckargemünd. Von dort aus geht es auf schattigen Wegen durch den Wald aufwärts (320 Höhenmeter) über den Hohlen Kastenbaum bis zur berühmten Molkenkur. Hier geht es weiter entweder mit der Zahnradbahn (ca. 9 €) oder dem Bus (hier kann das Deutschlandticket genutzt werden und der Preis liegt niedriger als bei der Zahnradbahn: 3,20 €) hinunter in die Heidelberger Altstadt, wo wir ein Stück in der Fußgängerzone gehen bis zu unserer Abschlussraststätte im „Garibaldi“.
Unterwegs legen wir kleine Rastpausen ein, dafür sollte man Verpflegung mitnehmen. Wichtig vor allem sind Getränke und gutes Schuhwerk. Bei einer Temperaturvorhersage über 30°C für Neckargemünd oder auch bei stärkerem Regen wird die Wanderung auf den 17. August verschoben.
Damit wir im „Garibaldi“ gemütlich zusammensitzen können, ist eine Anmeldung wichtig, um einen Tisch reservieren zu können.
Ausgangspunkt: Samstag, den 27. Juli , 10.30 Uhr am Bahnhof Neckargemünd, Ankunft im „Garibaldi“ ca. 14.30 Uhr
|
|
|
|
|
|
|
|
Informationen über weitere Veranstaltungen findet Ihr auf
|
|
|
|
|
|
Hinweise zu aktuellen Mundart-Wettbewerben: (nähere Infos im Internet)
* Landespreis für Dialekt Baden-Württemberg, Einsendeschluss 31. Juli 2024
* Schreib- und Kreativwettbewerb Markt Beratzhausen, Einsendeschluss 31. Juli 2024
* Bockenheimer Mundartdichterwettstreit, Einsendeschluss 31. August 2024
* Landschreiber Wettbewerb, Thema: Sprache & Macht, Einsendeschluss 31. Dezember 2024
|
|
|
|
|
|
// Unsere Sprachheimat e. V. schwätze – redde – babble // Hintere Spitalstr. 2, 76228 Karlsruhe, Tel. 0721/ 9823658 // Isabell Arnstein, Veronica Kerber, Elfi Neubauer-Theis // Sparkasse Karlsruhe; IBAN: DE37 66050101 0108377797 // Registergericht Mannheim: VR 703815 🌐 https://www.unsere-sprachheimat.de / ✉ info@unsere-sprachheimat.de
|
|
|
|
|
|
|
|
|